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Mireo Plus B - Wie weit kommt der Akku-Zug im Alltag?

Oswald Schenk • 5. Oktober 2026
Zwei gelbe HLB-Züge, ein mireo plus b, stehen nebeneinander auf den Gleisen.

Inhaltsverzeichnis

Wer Dieselzüge auf Nebenstrecken ersetzen will, braucht nicht überall sofort eine durchgehende Oberleitung. Genau hier setzt der Mireo Plus B an: Der batterieelektrische Triebzug fährt unter der Oberleitung elektrisch und überbrückt nicht elektrifizierte Abschnitte mit gespeicherter Energie. Ich zeige, wie das System funktioniert, welche Reichweite realistisch ist, wo die Fahrzeuge in Deutschland eingesetzt werden und wann ein Akku-Zug gegenüber Diesel oder kompletter Elektrifizierung wirklich überzeugt.

Ein Akku-Zug für die Lücke zwischen Oberleitung und Diesel

  • Antrieb: Batterieelektrischer Regionalzug ohne Dieselmotor.
  • Reichweite: Je nach Variante, Strecke und Betriebsbedingungen etwa 80 bis 120 Kilometer im Akkubetrieb.
  • Laden: Die Batterien laden an elektrifizierten Strecken und durch Bremsenergierückgewinnung.
  • Tempo: Zweiteilige Fahrzeuge erreichen bis zu 140 km/h.
  • Einsatz: Besonders sinnvoll auf regionalen Strecken mit kurzen nicht elektrifizierten Abschnitten.

Ein moderner Zug, der mireo plus b, fährt durch eine blühende Wiese mit Löwenzahn.

Was den Mireo Plus B von einem normalen Elektrozug unterscheidet

Ein klassischer Elektrotriebzug ist auf eine durchgehende Oberleitung angewiesen. Der Akku-Triebzug nimmt seinen Strom ebenfalls über den Stromabnehmer auf, speichert ihn aber zusätzlich in zwei unter dem Wagenboden montierten Batteriecontainern. Dadurch kann er die Oberleitung verlassen und mehrere Dutzend Kilometer ohne externe Stromzufuhr weiterfahren.

Technisch handelt es sich um ein BEMU, also um eine „Battery Electric Multiple Unit“. Der Begriff beschreibt einen batterieelektrischen Triebzug, bei dem mehrere Wagen fest zu einer Einheit verbunden sind. Für Fahrgäste fühlt sich das vor allem durch die ruhige Beschleunigung, den niedrigen Geräuschpegel und den durchgängigen Innenraum bemerkbar an.

Die Batterie wird während der Fahrt auf elektrifizierten Abschnitten geladen. Zusätzlich speist der Zug beim Bremsen Energie zurück. Das klingt nach einem kleinen Detail, ist im täglichen Betrieb aber entscheidend, weil nicht jede Ladung an einem Bahnhof oder an einer speziellen Ladestation stattfinden muss.

Reichweite und technische Daten hängen vom Einsatz ab

Bei der Reichweite kursieren unterschiedliche Angaben, die sich nicht zwingend widersprechen. Für den Betrieb werden je nach Fahrzeugkonfiguration und Strecke etwa 80 bis 120 Kilometer im Batteriemodus genannt. Die niedrigere Zahl beschreibt eher eine vorsichtige Auslegung unter realen Bedingungen, während 120 Kilometer als obere Angabe für passende Betriebsprofile gelten.

Ich würde die Reichweite deshalb nie als festen Kilometerwert betrachten. Außentemperatur, Steigungen, Fahrgastzahl, Haltestellenabstände, Heiz- oder Klimaanlage und die vorgeschriebene Energiereserve beeinflussen, wie weit der Zug tatsächlich ohne Oberleitung kommt.

Merkmal Typische Angabe Bedeutung für den Betrieb
Antrieb Batterieelektrisch Lokal emissionsfreies Fahren ohne Dieselmotor
Batteriereichweite Ca. 80 bis 120 km Abhängig von Strecke, Wetter, Beladung und Fahrplan
Höchstgeschwindigkeit Bis zu 140 km/h Geeignet für viele Regional- und S-Bahn-nahe Verbindungen
Fahrzeugkonzept Zweiteiliger Triebzug, je nach Ausführung Passend für Linien mit mittlerem Fahrgastaufkommen
Ladeverfahren Oberleitung und Rekuperation Keine vollständige Elektrifizierung jedes Streckenabschnitts nötig

Bei einzelnen Fahrzeugen werden rund 122 Sitzplätze und eine kleine erste Klasse ausgewiesen. Solche Werte sind jedoch nicht auf jede Bestellung übertragbar, weil Betreiber Innenraum, Sitzplatzangebot und Mehrzweckbereiche an ihren Verkehrsvertrag anpassen können.

Wo der Akku-Triebzug in Deutschland eingesetzt wird

Der erste große reguläre Einsatz in Deutschland begann in der Ortenau in Baden-Württemberg. Dort ersetzt die Batterievariante Dieseltriebwagen auf einem Netz mit elektrifizierten und nicht elektrifizierten Strecken. Der praktische Vorteil liegt darin, dass vorhandene Oberleitungsabschnitte zum Fahren und Laden genutzt werden, während die letzten Kilometer ohne Fahrdraht ebenfalls elektrisch zurückgelegt werden können.

Auch die Niederbarnimer Eisenbahn setzt im Netz Ostbrandenburg auf diese Technik. Im Jahr 2025 wurden dort mehrere Linien schrittweise auf Batteriezüge umgestellt. Das Beispiel ist interessant, weil es zeigt, dass die Fahrzeuge nicht nur in einzelnen Testfahrten, sondern in einem größeren regionalen Netz funktionieren müssen.

In Hessen startete Ende 2025 ein einjähriger Testbetrieb auf der Ländchesbahn zwischen Wiesbaden und Niedernhausen. Dort wird geprüft, wie sich ein zweiteiliger Zug mit bis zu 120 Kilometern Reichweite und 140 km/h Höchstgeschwindigkeit im täglichen Fahrgastverkehr bewährt.

Weitere Fahrzeuge wurden im Westerwald und im Eifel-Westerwald-Sieg-Netz erprobt. Diese Strecken sind wegen ihrer Steigungen besonders aufschlussreich. Ein Akku-Zug muss dort nicht nur Reichweite liefern, sondern auch bei häufigem Anfahren und großen Höhenunterschieden zuverlässig Reserven behalten.

Welche Vorteile der Betrieb gegenüber Diesel bietet

Der offensichtlichste Vorteil ist der Wegfall lokaler Abgase. Unter Batteriestrom entstehen während der Fahrt keine direkten CO₂-, Stickoxid- oder Partikelemissionen. Wie groß der Klimavorteil insgesamt ausfällt, hängt trotzdem vom verwendeten Strommix, der Batterieherstellung und der späteren Lebensdauer des Fahrzeugs ab.

Im Alltag spüren Fahrgäste vor allem den leiseren Antrieb. Gerade in Ortsdurchfahrten und an Bahnsteigen macht der Unterschied zwischen einem Dieseltriebwagen und einem modernen Elektroantrieb mehr aus, als technische Daten vermuten lassen. Hinzu kommen barrierearme Einstiege, Mehrzweckflächen und zeitgemäße Fahrgastinformation, sofern der jeweilige Betreiber diese Ausstattung bestellt hat.

Für Verkehrsunternehmen ist ein anderer Punkt mindestens genauso wichtig. Eine Strecke muss nicht vollständig mit Oberleitung ausgestattet werden, damit der Dieselbetrieb entfallen kann. Das kann bei kurzen Nebenbahnen Investitionen in zusätzliche Oberleitungsabschnitte vermeiden und die Umstellung beschleunigen.

Die Grenzen liegen bei langen fahrdrahtlosen Abschnitten und sehr dicht getakteten Umläufen. Je länger der Zug ohne Ladegelegenheit unterwegs ist, desto stärker wirken sich Kälte, Steigungen und die Energiereserve aus. Ein Akku-Zug ist deshalb kein universeller Ersatz für jede Dieselstrecke.

Wann Batterie, Oberleitung oder Wasserstoff sinnvoller ist

Für die Planung zählt nicht allein die Antriebsart, sondern das gesamte Streckenprofil. Ich würde zuerst prüfen, wie viel der Linie bereits elektrifiziert ist, wo geladen werden kann und ob der Fahrplan genügend Zeit für Energieaufnahme und Reserven lässt.

Lösung Stärken Grenzen Passender Einsatz
Batteriezug Leise, lokal emissionsfrei, nutzt vorhandene Oberleitung Reichweite und Batteriekapazität begrenzt Nebenstrecken mit elektrifizierten Teilabschnitten
Durchgehende Oberleitung Hohe Leistungsfähigkeit und keine Reichweitenfrage Hohe Baukosten und lange Genehmigungszeiten Stark belastete oder langfristig wichtige Korridore
Wasserstoffzug Große Reichweite ohne durchgehende Oberleitung möglich Aufwendige Betankung und Energieverluste bei der Herstellung Lange, vollständig nicht elektrifizierte Umläufe
Dieseltriebzug Bekannte Technik und flexible Reichweite Lokale Emissionen, Lärm und fossiler Kraftstoffverbrauch Übergangslösung oder sehr schwierige Einsatzprofile

Die Batterievariante ist besonders stark, wenn ein Zug regelmäßig zwischen elektrifizierten und nicht elektrifizierten Abschnitten pendelt. Muss er dagegen den ganzen Tag auf einer langen Strecke ohne Fahrdraht fahren, kann eine vollständige Elektrifizierung oder ein anderes emissionsarmes Konzept sinnvoller sein.

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, nur die nominelle Reichweite zu vergleichen. Für einen stabilen Fahrplan zählt vielmehr, ob die Energiereserve auch im Winter, bei Verspätungen und voller Auslastung ausreicht. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob die Technik im Alltag überzeugt oder nur auf dem Papier gut aussieht.

Was die Technik für den Bahnverkehr 2026 bedeutet

Der Akku-Triebzug ist kein Ersatz für den Ausbau des elektrischen Netzes, sondern eine pragmatische Ergänzung. Er kann dort schnell Wirkung entfalten, wo eine Oberleitung wirtschaftlich oder politisch noch nicht absehbar ist, die Strecke aber trotzdem vom Diesel wegkommen soll.

Für die Fahrgäste bedeutet das im besten Fall einen ruhigeren, moderneren Zug mit weniger lokalen Emissionen. Für die Aufgabenträger verschiebt sich die Planungsfrage von „Oberleitung oder Diesel“ zu einer differenzierteren Entscheidung über Streckenlänge, Ladepunkte, Fahrplan und Reserve. Diese nüchterne Betrachtung halte ich für wichtiger als große Versprechen über eine einzelne Antriebstechnik.

Die Batterie ist nur so gut wie der Fahrplan

Der Mireo Plus B zeigt, wie sich nicht elektrifizierte Regionalstrecken schrittweise in einen klimafreundlicheren Bahnverkehr integrieren lassen. Seine Stärke liegt in der Kombination aus Oberleitungsbetrieb, Batteriefahrt und Rekuperation, nicht in einer grenzenlosen Reichweite.

Wer die Technik bewerten will, sollte deshalb auf das konkrete Netz schauen. Wenn Ladeabschnitte, Fahrzeuggröße und Umlaufplanung zusammenpassen, kann der Akku-Zug Dieselverkehre überzeugend ersetzen. Fehlt diese Abstimmung, bleibt auch ein moderner Batterietriebzug hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Je nach Fahrzeugkonfiguration und Strecke erreicht der Mireo Plus B etwa 80 bis 120 Kilometer im Batteriebetrieb. Außentemperatur, Steigungen, Fahrgastzahl, Heizung, Klimaanlage und Energiereserve beeinflussen die tatsächliche Reichweite.

Der Zug lädt seine Batterien auf elektrifizierten Strecken über die Oberleitung. Zusätzlich gewinnt er beim Bremsen Energie zurück, sodass nicht jede Aufladung an einem Bahnhof oder einer speziellen Ladestation erfolgen muss.

Ein Batteriezug eignet sich besonders für regionale Nebenstrecken, die teilweise elektrifiziert sind und kurze fahrdrahtlose Abschnitte enthalten. So kann er vorhandene Oberleitungen zum Fahren und Laden nutzen und dennoch nicht elektrifizierte Streckenteile ohne Dieselmotor bedienen.

Eine durchgehende Oberleitung bietet sich für stark belastete oder langfristig wichtige Korridore mit hoher Leistungsanforderung an. Wasserstoffzüge können bei langen, vollständig nicht elektrifizierten Umläufen sinnvoller sein, während Batteriezüge bei langen fahrdrahtlosen Abschnitten durch Reichweite und Ladezeiten begrenzt sind.

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Autor Oswald Schenk
Oswald Schenk
Mein Name ist Oswald Schenk und ich bringe über 10 Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobilität, Schienenverkehr und Stadtplanung mit. Mein Interesse an diesen Themen entwickelte sich früh, als ich begann, die Zusammenhänge zwischen urbanem Wachstum und nachhaltigem Verkehr zu erkunden. Es fasziniert mich, wie durchdachte Stadtplanung und effiziente Verkehrssysteme das Leben der Menschen verbessern können. In meinen Beiträgen beschäftige ich mich mit aktuellen Trends und Herausforderungen in der Mobilität und analysiere, wie innovative Lösungen zur Verbesserung des Schienenverkehrs beitragen können. Ich lege großen Wert darauf, meine Informationen sorgfältig zu recherchieren und komplexe Themen verständlich aufzubereiten, damit meine Leser die Zusammenhänge besser nachvollziehen können. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Informationen zu bieten, die sowohl aktuell als auch leicht verständlich sind.

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